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Wandersegelflug Sommer 2014

Nachdem ich in den letzten Jahren immer mit unserer DG400 auf Wanderschaft ging, war ich dieses Jahr zum ersten Mal mit unserer Stemme S10 unterwegs. Auch fehlte in diesem Jahr mein oftmaliger Begleiter Egbert Güssgens mit seiner ASH26.

Am Morgen des ersten Tages half mir Wolfgang Schömer, ein guter Freund und Nicht-Flieger, beim Aufbau unserer S10. Die Thermik stellt sich um Mittag ein und ich startete auf unseren Heimatflugplatz Pottschütthöhe in Pirmasens.

Schon 600m über dem Platz konnte ich den Motor abstellen und den Propeller einfahren. Danach ging es im Segelflug nach Osten. Fast unbewusst steuerte ich den Flugplatz Gunzenhausen in Nord-Bayern an.

Denn dort ist mein lieber Fliegerfreund Rainer Stark zuhause. Er ist der erste Vorsitzende des Vereins und als hätte ich es geahnt, hat er mich gleich nach meiner Landung auch schon begrüßt. Zufällig fand am Platz ein gemeinsames Fliegerlager mit einem Augsburger und einem Kaufbeuerer Flugverein statt. Damit war für Unterhaltung gesorgt und ich konnte zwei Tage in guter Gesellschaft verbringen. Geschlafen habe ich wie schon öfters  im Gästezimmer am Flugplatz.

Am zweiten Tag meines Wandersegelfluges startete ich mittags in Gunzenhausen zu einem Dreiecks-Flug und konnte danach ca. 300km Segelflug im OLC anmelden. Abends erzählten wir unsere Erlebnisse und einige der Segelflieger konnten noch von weit größeren Flügen an diesem Tag berichten.

Am nächsten Morgen, nach einem gemeinsamen Frühstück, verabschiedete ich mich in Richtung Süden. Die Thermik wollte nicht mitspielen, so dass ich genervt den Motor anwarf und einfach mal auf 3000m ging. Danach glitt ich im Segelflug nach Süden. Das habe ich zweimal wiederholt und plötzlich war ich an den Alpen. Doch bevor ich in die Alpen einstieg, wollte ich erst mal meinen Schlafplatz organisieren. Also landete ich in Kempten und besprach mit dem Flugleiter mein Vorhaben. Der wies mir einen Stellplatz für die Stemme zu und ich durfte mein Zelt direkt daneben aufbauen. Nachdem das Zelt aufgebaut war und ich mein obligatorisches Eis auf der wunderschönen Aussichtsterrasse des Kemptener Flugplatzes genossen hatte, startete ich zu einem späten Flug in die Alpen. Aus Respekt vor den hohen Bergen stellte ich den Motor erst in sicherer Höhe ab und glitt entspannt wieder aus den Alpen heraus. Auf dem Rückweg nach Kempten besah ich mir dann noch die König Ludwig Schlösser und schaute interessiert den Gleitschirmfliegern bei Füssen zu.

Da die S10 schon ein besonderes Flugzeug ist, kam ich am Flugplatz schnell ins Gespräch mit anderen Fliegern, so auch mit Sepp, einem sehr erfahrenen Fluglehrer.  Er betreibt mit seinem Sohn Michael am Flugplatz Kempten eine Flugschule, außerdem führt er unter anderem Alpeneinweisungen und Passagierflüge durch. Michael und Sepp haben mich abends zu ihrer Hütte am Platz eingeladen und Sepp hat von seinen vielen Flügen zum Nordkap oder nach Spanien erzählt. Oft ist er dabei mit einem Falken geflogen und die Geschichten, die er dazu erzählen konnte, waren wunderbar.

Am Abend bin ich dann in mein Zelt gekrochen und wegen der nahen Autobahn habe ich schlecht geschlafen. Außerdem war die Isomatte nicht besonders bequem und daher habe ich mich entschlossen in Zukunft doch lieber das Zelt zuhause zu lassen.

Die Wettervorhersage für den nächsten Tag war schlecht. Und wirklich am Morgen begann es zu regnen. Also bin ich mit dem Bus von Durach nach Kempten gefahren. Ich habe mir die Stadt angeschaut und mich in ein Cafe gesetzt. Mit meinem Smartphone habe ich das aktuelle Regenradar beobachtet und für ab 2 Uhr mittags ein geeignetes Wetterfenster ausgemacht. Um 13:00 Uhr war das Flugzeug betankt, das Zelt verstaut und ich saß auf der Terrasse am Flugplatz und wartete auf die Regenlücke.

Kurz nach 14:00 bin ich gestartet, nachdem mir Sepp noch einige Anweisungen für den Abflug für die 25 gegeben hat. Besonders hoch bin ich nicht über den Hügel links der 25 gekommen, aber die Notfallwiese habe ich gesehen.

Der Regen zog von der Schweiz kommend nach Nord Bayern, so dass ich mit meinem Flug nach Nordwesten in immer besseres Wetter kam. Nachdem die Donau überquert war, signalisierten die aufkommenden Cummuli erste nutzbare Thermik. Doch der Wind war brutal, sodass ich mit der schweren S10 ihr nicht folgen konnte. Minutenlang ging es nur rauf und runter, ohne nennenswerten Höhengewinn. Erst nahe des Schwarzwaldes waren die Aufwinde so stark, dass trotz des starken Windes Höhe gewonnen werden konnte. Im Schwarzwald ging es dann richtig hoch und mit dieser Höhe konnte ich dann bis zur Hardtkante gleiten. Dort war aber keine Thermik mehr. Also nahm ich noch einmal den Motor und flog in den Pfälzer Wald. Am späten Nachmittag bin ich dann im Segelflug wieder auf der Pottschütthöhe gelandet. Ins Bordbuch konnte ich insgesamt 18 Stunden Flugzeit eintragen, 3 davon waren Motorlaufzeit.

Nach den vier Tagen Wandersegelflug mit unserer Stemme S10 möchte ich behaupten, dass die S10 wie kein anderes Flugzeug dazu geeignet ist. Wer entspanntes Fliegen genießen möchte, nicht besonders schnell von A nach B will und die Sicherheit von Motor und guten Segelflugleistungen schätzt wird das Flugzeug immer mehr lieben.

Allen Fliegerfreunden wünsche ich stets eine sichere Landung, es grüßt euch Armin.